29Mai

Über den Zaun geschaut: Werkstattbeschäftigte wechseln ins Erwerbsleben

„Integration in den Arbeitsmarkt ist in Bamberg Chefsache“, betont Kuno Eichner, Leiter der Bamberger Lebenshilfe-Werkstätten. Für die Einbeziehung von Werkstattbeschäftigten ins Erwerbsleben hatten die Bamberger Werkstätten den Fachdienst „INTEGRA Mensch“ gegründet. Damit hatte man 2004 ganz klein angefangen: Simone Böhnlein, langjährige Werkstattbeschäftigte, bekam als erste eine Stelle als Pflegehelferin in einem Seniorenheim und damit auch die erste „Patenfirma“. Zwei Jahre später konnte schon das 3. Patenfirmen-Forum stattfinden. Das Wichtigste: Alle machten mit und machen bis heute mit: der Oberbürgermeister der Stadt, der Landrat, der Bischof und zur wissenschaftlichen Unterstützung die Universität Bamberg.

Seit Ende 2007 haben die Bamberger die Projektphase hinter sich. Inzwischen sind über 100 Beschäftigte aus den Bamberger Werkstätten in den Betrieben im gesamten Gebiet der Stadt und des Landkreises tätig. Ein langer Weg. Längst sitzt auch die bayerische Landesregierung mit im Boot und vergibt alljährlich einen Preis für erfolgreiche Einbeziehung ins Erwerbsleben: „JobErfolg“ wird 2012 zum achten Mal vergeben. Eine Anerkennungsgeste an einbeziehungsbereite Unternehmen. Die geht über die Ehrenurkunde hinaus­, mit der bei der Hannover Messe 2012 niedersächsische Firmen ausgezeichnet wurden, die Werkstattbeschäftigte mit einem Budget für Arbeit eingestellt hatten.

Das INTEGRA Mensch-Konzept sieht vor, dass in jedem Betriebe den INTEGRA-Mitarbeiter|inne|n eine Patenperson zur Seite gestellt wird. Die hilft bei allen betrieblichen Angelegenheiten und der Einbeziehung in die Betriebsgemeinschaft. Das schafft auf allen Seiten Sicherheit und stabile zwischenmenschliche Beziehungen. Hinzu kommt die Integrationsbegleitung durch die Bamberger Lebenshilfe. Die zuständige Person steht den INTEGRA-Mitarbeiter|inne|n in allen Lebensfragen zur Seite. Pate und Begleitung haben engen Kontakt zur Geschäftsführung des jeweiligen Betriebes.

Ein kurzer Film zeigt, wie durch praktische Beispiele und zuverlässige Unterstützung Vorurteile abgebaut, die Bereitschaft zur Einbeziehung beeinträchtigter Menschen weiter entwickelt und Alternativen zu herkömmlichen Werkstattarbeitsplätzen geschaffen werden können: Der Bamberger Handwerksmeister Sven Morgenroth ist mit dem INTEGRA-Mitarbeiter Rainer Keil vollauf zufrieden und auch ein bißchen stolz über den gemeinsamen Erfolg. Davon können Sie sich durch den kurzen Film über den „Patenbetrieb Fliesen Morgenroth“ überzeugen. Er dauert nur eineinhalb Minuten, sagt aber alles.

Das Konzept einer Werkstatt mit Integrationsfachdienst, die Entstehung und Entwicklung von „INTEGRA Mensch“, die Meinung der politischen Repräsentanten und des Erzbischofs von Bamberg werden hier noch genauer beschrieben. Wenn Sie sich einen weiteren Kurzfilm anschauen möchten, der eine Minute lang für dieses Konzepterfolg wirbt, finden Sie ihn hier. (52|2012)

Abb. o. r.: Logo von „INTEGRA Mensch“,Bamberger Lebenshilfe

Foto o. r.: Simone Böhnlein, bis dahin Werkstattbeschäftigte in Bamberg, wurde am 5. Mai 2004 Pflegehelferin in einem Seniorenheim (Foto: LH Bamberg)

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LogoIntegraMensch.pngSimoneBhnlein-Pflegehelferin.jpg
29. Mai 2012 // Praxis und Konzepte