04Jul

Die hohe Kunst der Einbeziehung: Hochschule Osnabrück gibt ein Beispiel

Als die Hochschule Osnabrück, Fachbereich Produktdesign, um Unterstützung bat, brauchte Arbeitsassistent Manfred Ende nicht lange zu überlegen: Bernd Hildenbrand, Beschäftigter in den Osnabrücker Werkstätten, war für diesen ausgelagerten Arbeitsplatz genau der Richtige. Inzwischen sehen das Professor Thomas Hofmann von der Fakultät Ingenieurwissenschaften und Informatik der Hochschule Osnabrück und sein Assistent, Diplom-Designer Fabian Stärk, genauso. Auch für den bisherigen Werkstattmitarbeiter ist die Arbeit in der Vitischanze der Hochschule Osnabrück die passgenau Lösung. Hier lassen sich Belastung und Vielseitigkeit erträglich miteinander vereinbaren.

Mit den Dozenten und Studenten liegt er auf einer Wellenlinie. Alle vereint die Liebe zum Material, zur Gestaltung und zur Kunst. Bernd Hildenbrand hatte Kunsttherapeut und Kunstpädagoge studiert. Seine Passion ist die Bildhauerei. Seit 2005 arbeitet er in der OSNA-Technik 1. Eine abwechslungsreichere Arbeit, die mehr Freiräume ermöglicht, war seit langem der große Wunsch des 51-Jährigen. Als dann die Kontakte zwischen Hochschule Osnabrück und der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück zu der Anfrage des Fachbereiches Produktdesign führten, war mit ihm die ideale Besetzung für diesen besonderen ausgelagerten Arbeitsplatzes gefunden. Ein sechswöchiges Praktikum gab die nötige Orientierung und die Bestätigung, dass dieser Platz richtig war.

Der Aufgabenkatalog für den früheren Mitarbeiter der OSNA-Technik ist lang. Außen und innen sind die Räume in der Vitischanze in Schuss zu halten, Besorgungen sind zu erledigen, Bücher müssen inventarisiert und Kopierarbeiten erledigt werden. Immer, wenn er gebraucht wird, ist Bernd Hildenbrand zur Stelle: wenn Thomas Hofmann und Fabian Stärk Hilfe brauchen, um Demonstrationsmaterial aufzustellen oder um Mappenpräsentationen vorzubereiten, wenn Gestaltungsmaterial fehlt und auch dann, wenn Getränke benötigt werden. Mit dieser Arbeit in der Hochschule hat der Bildhauer die gewünschte Vielseitigkeit gefunden. Wenn dieser ausgelagerte Arbeitsplatz mit einem erfüllbaren Pensum, dazu noch mit Freude an der Arbeit und im besten Einvernehmen mit den Dozenten und Studierenden erhalten bleibt, hat er sein berufliches Ziel – wieder – erreicht.

Die Mitarbeit von Bernd Hildenbrand verringere den Stress, meinen Thomas Hofmann und Fabian Stärk. Denn dieser Fachbereich befindet sich noch im Aufbau. „Da ist es gut, wenn uns viele Dinge abgenommen werden und wir uns auf das Wesentliche konzentrieren können“, sagt Fabian Stärk.

In öffentlichen Einrichtungen wie der Hochschule sollte es selbstverständlich sein, Menschen mit Beeinträchtigungen zu beschäftigen, meint Professor Hofmann. Auch im Sinne der Studenten. Denn den zukünftigen Designern aus der Vitischanze werden nicht nur stylische Besonderheiten an Produkten vermittelt, sondern auch der gleichberechtigte Umgang mit beeinträchtigten Menschen. Und schließlich verlangt das Gesetz zum UNO-Übereinkommen über die Rechte behinderter Menschen eine Welt im „universellen Design“ (Artikel 2, S. 1424). (63|2012)

Autorin: Susanne Wolff, Heilpädagogische Hilfe Osnabrück, Leitung Marketing, Kommunikation, Fundraising

Abb.: Auch das gehört zum Arbeitsplatz von Bernd Hildenbrand in der Hochschule Osnabrück. Foto: HpH

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4. Juli 2012 // Praxis und Konzepte