22Aug

Niedersächsischer Werkstattträger führt Schüler in den allgemeinen Arbeitsmarkt

In ihrem bissigen Artikel „Die unverdünnte Hölle“ beschrieb die Wochenzeitschrift Der Spiegel die Lebensaussichten beeinträchtigter Schüler|innen mit düsteren Worten. Die ärztliche Diagnose „sonderpädagogischer Förderbedarf“ war nach Ansicht einer interviewten Mutter der Start einer unaufhörlichen „Aussonderungsmaschinerie“. Von jetzt ab hätte der junge Mensch „sein Recht auf Teilhabe an der Gesellschaft, sein Recht auf Bildung, sein Recht auf ein selbstbestimmtes Leben verloren“, schrieb „Der Spiegel“.

Mit den Vorgaben des Gesetzes zum UNO-Übereinkommen über die Rechte behinderter Menschen ist ein aussonderndes Schulsystem nicht zu vereinbaren, stellte Theresia Degener, promovierte Professorin an der Evangelischen Fachhochschule Bochum, 2009 fest. In ihrem vielbeachteten Artikel „Die UN-Behindertenrechtskonvention als Inklusionsmotor“ beschrieb sie detailliert das Recht auf Bildung als Menschenrecht (S. 215).

Die von vielen Fachleuten kritisierte Aussonderung von Schüler|inne|n und ihr dadurch vorgezeichneter Weg in die Werkstätten formulierte Der Spiegel schon 2009 polemisch: „Wer die Sonderschule absolviert, darf sich auf ein Berufsleben in der Behindertenwerkstatt freuen.“

Seit dem Inkrafttreten des Gesetzes zum UNO-Übereinkommen bemühen sich Werkstattträger in Niedersachsen, den Schulabgänger|inne|n neue Wege in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu bauen. Jetzt hat die Oldenburger Teilhabe gGmbH, eine Tochter des Vereins Gemeinnützige Werkstätten Oldenburg e.V., vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration den Auftrag erhalten, in drei Förderschulen die berufliche Orientierung von Schülerinnen und Schülern mit Beeinträchtigungen zu unterstützen. Dies geschieht im Rahmen der interministeriellen „Initiative Inklusion“. Das erste Handlungsfeld ist die Berufsorientierung.

Genaue Informationen über das Projekt der Oldenburger Teilhabe gGmbH und eine hilfreiche Beschreibung der einzelnen Projektabschnitte finden Sie hier.

(78-2012)

Übergang, Übergänge, allgemeiner Arbeitsmarkt, Schulabgänger, Sonderschulabgänger, Sonderschüler, Förderstätten, Förderschulen

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22. August 2012 // Praxis und Konzepte, Politik