17Dez

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Das wichtige Datum: 11. Juni 2013

Das Gesetz zum UNO-Übereinkommen über die Rechte behinderter Menschen hat schon manches verändert. Und die Zahl der Initiativen wächst weiter, die sich seine Verwirklichung auf die Fahnen geschrieben haben. Die Werkstätten in Niedersachsen beteiligen sich aktiv daran (s. hier).

Eine ganz besondere Initiative, die bereits vor Inkrafttreten dieses Gesetzes zum UNO-Übereinkommen gestartet wurde, ist die Charta der Vielfalt. Sie wurde 2006 gemeinsam von der BP Europe SE, Daimler, Deutsche Bank und Deutsche Telekom ins Leben gerufen. Bislang haben sie mehr als 1.200 Unternehmen und öffentliche Einrichtungen unterzeichnet:

„Die Initiative will die Anerkennung, Wertschätzung und Einbeziehung von Vielfalt in der Unternehmenskultur in Deutschland voranbringen. Organisationen sollen ein Arbeitsumfeld schaffen, das frei von Vorurteilen ist. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen Wertschätzung erfahren – unabhängig von Geschlecht, Nationalität, ethnischer Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexueller Orientierung und Identität.“

So lautet die Selbstverpflichtung, die die Charta-Mitglieder eingehen. Dass dabei die gleichberechtigte Einbeziehung von beeinträchtigten Menschen eine besondere Rolle spielt, dokumentieren zahlreiche Unternehmen auf der Internetseite der Charta der Vielfalt. Das „UnternehmensForum – Arbeitgeberinitiative für behinderte Menschen“ zeichnete auch in diesem Jahr wieder drei vorbildliche Unternehmensleistungen der Einbeziehung beeinträchtigter Menschen aus. Den 1. Preis für gelungene Inklusion erhielt im Dezember 2012 die „Galeria Kaufhof GmbH“.

Als Anregung für die Unternehmensleitungen stellte das Demographie Netzwerk DDN e.V. „10 goldene Regeln für eine demographiegerechte und wertschätzende Personal- und Unternehmenspolitik“ bereit. Sie finden sie auf dieser Internetseite der Charta der Vielfalt.

Zum 11. Juni 2013 ruft die Initiative auf, sich am 1. Deutschen Diversity-Tag zu beteiligen. Sicherlich auch auf die Werkstätten gemünzt hebt der Verein hervor:

„Zudem bietet der Tag jenen Firmen und Institutionen, die bisher nicht offiziell dabei sind, die Möglichkeit, die Charta der Vielfalt zu unterzeichnen.“

Am gleichen Tag, am Dienstag dem 11. Juni 2013, soll in Hannover die Niedersächsische Landeskonferenz 2013 der Werkstätten dieses Bundeslandes zusammentreten. Dass auch bei dieser Veranstaltung das Gesetz zum UNO-Übereinkommen über die Rechte behinderter Menschen im Vordergrund steht, ergibt sich aus der diesjährigen Aufgabenstellung der Werkstätten: den zielgruppenbezogenen Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Werkstätten.

Auf seiner Septembertagung hatte der Vorstand der Landesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten in Niedersachsen (LAG:WfbM) fünf Arbeitsgruppen eingesetzt, um die Gestaltung der Arbeitswelt in eine offene, einbeziehungsbereite und zugängliche weiter voranzubringen:

Zielgruppen Landespolitik, Spitzen-, Fach- und Trägerverbände

Leitung: Michael Bode (Friesoythe), Detlef Springmann (Braunschweig)

Zielgruppe Wirtschaft

Leitung: Vera Neugebauer (Hannover), Bernd Hermeling (Stadthagen)

Zielgruppe Gewerkschaften

Leitung: Simone Bachmann (LAG:WR-Vorsitzende, Stadthagen), Christoph Lorbacher (Osterode a.H.)

Zielgruppen Werkstätten und ihre Träger

Leitung: Werner Ludwigs-Dalkner (Cuxhaven), Manfred Pfaus (Wilhelmshaven)

Zielgruppe Werkstatträte

Leitung: Heiner Böckmann (Osnabrück), Wilhelm Bellmer (Rotenburg/Wümme), Udo Schoring (stellv. Vors. LAG:WR, Hildesheim)

Die LAG:WfbM-Arbeitsgruppe, die sich um die Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften bemüht, hat bereits erste Maßnahmen eingeleitet (Näheres finden Sie hier).

Eine besonders nachdrückliche Unterstützung erhielt die LAG:WfbM Niedersachsen jüngst durch eine bedeutende Persönlichkeit: den Präsidenten des Bundessozialgerichts Peter Masuch. In seinem Vortrag „Gibt es ein Recht auf Gleichheit?“ vor Mitgliedern der Lebenshilfe Niedersachsen am 14. November 2012 befaßte sich der Gerichtspräsident besonders mit Artikel 27 des Gesetzes zum UNO-Übereinkommen, dem Recht auf Arbeit und Beschäftigung.

Eine der Kernaussagen im Referat des BSG-Präsidenten war die Klarstellung, dass die Definition einer generellen Arbeitsmarktfähigkeit mit dem Gesetz zum UNO-Übereinkommen im Widerspruch steht. Peter Masuch wörtlich:

„Wenn es nicht auf eine generelle Arbeitsmarktfähigkeit ankommen darf, dann ist die untere Begrenzung für die Teilhabe am Arbeitsleben offen. Auch die Grenze der Werkstattfähigkeit schließt von alternativen Angeboten der Teilhabe nicht aus.“

Mit freundlicher Genehmigung der Lebenshilfe Niedersachsen stellen wir Ihnen Auszüge aus dem Vortrag von Peter Masuch speziell zum Artikel 27 des Gesetzes zum UNO-Übereinkommen zur Verfügung.

Sie finden das Dokument mit dem Titel „Gibt es ein Recht auf Gleichheit?“ hier.

Übrigens: Der 11. Juni hat in der niedersächsischen Geschichte noch eine andere Bedeutung erlangt: Am 11. Juni 1955 musste Kultusminister Leonhard Schlüter wegen seines rechtsextremen Hintergrunds zurücktreten, nur 17 Tage nach seiner Ernennung. Gegen ihn wurde auch „wegen unberechtigten Führens des Doktortitels“ ermittelt (Quelle: DER SPIEGEL; Nr. 25, 1955, 15.06.1955, S. 12 – 24).

112|2012

Das Foto mit Peter Masuch, Präsident des Bundessozialgerichts, haben wir der Internetseite der Lebenshilfe Niedersachsen entnommen.

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17. Dezember 2012 // Politik