03Dez

Bildung anerkennen – Inklusion fördern

Absolventen des Berufsbildungsbereiches in Werkstätten für behinderte Menschen haben bislang keinen bundesweit anerkannten Nachweis über ihre Bildungsmaßnahmen. Das Problem ist: es gibt keinen bundesweiten Standard und keinen qualifizierten Abschluss, den diese Menschen mit Behinderung zum Einstieg in die Arbeitswelt nutzen können.

Das möchten die LAG:WfbM Niedersachsen und die BAG WfbM mit jeweils einem eigenen, sich gegenseitig ergänzenden inhaltlichen Ansatz ändern.

Die LAG:WfbM Niedersachsen hat nach vorbereitenden Gesprächen mit Handwerkskammern, Regionaldirektion und Arbeitsagentur der Bundesagentur für Arbeit, Sozialministerium und Kultusministerium bereits nach der Sommerpause 2013 ein landesweites Projekt zur Erarbeitung von Qualifizierungsbausteinen gestartet. Gleichzeitig ruft die BAG:WfbM bundesweit die Landesarbeitsgemeinschaften der Werkstätten im November 2013 dazu auf, gemeinsam bundeseinheitliche Bildungsrahmenpläne zu erarbeiten.

In jeder der 5 Regionalen Arbeitsgemeinschaften (RAG:WfbM) der LAG:WfbM Niedersachsen wird einer der Berufe/Berufsfelder Metall, Tischler, Hauswirtschaft, Garten- und Landschaftsbau sowie Lager/Logistik/Montage durch eine Projektgruppe mit dem Ziel bearbeitet, Qualifizierungsbausteine für in Werkstätten beschäftigte Menschen mit Behinderung zu erstellen. Die Qualifizierungsbausteine müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um anschließend von den zuständigen Kammern zertifiziert und damit anerkannt zu werden. Bis zum Jahreswechsel 2013/2014 will jede Projektgruppe mindestens 3 Qualifizierungsbausteine aus ihrem Beruf/Berufsfeld erarbeiten.

Für Januar 2014 ist vonder LAG:WfbM Niederachsen zum einen ein Gesprächs-Termin mit Vertretern von Handwerks-, Landwirtschafts- sowie Industrie- und Handelskammer vereinbart, um den weiteren Weg der Zertifizierung der Qualifizierungsbausteine auf Landesebene miteinander abzustimmen. Ein weiteres Gespräch ist mit den Berufsschulberatern der Landesschulbehörde vorgesehen, um auch den berufsbezogenen Fachunterricht für Werkstatt-Beschäftigte in Niedersachsen entsprechend weiterzuentwickeln.

Die Initiative der BAG WfbM erläutert Vera Neugebauer, stellvertretende Vorsitzende der BAG WfbM, so: „Bildungsrahmenpläne bundesweit auf einen Nenner zu bringen, erhöht die Transparenz und Vergleichbarkeit und damit auch die Mobilität und die Wahlmöglichkeiten von Menschen mit Behinderung“. Die Bildungsrahmenpläne sollen Inhalte, Fertigkeiten und Kenntnisse abbilden, die Menschen mit Behinderungen in Werkstätten im Berufsbildungsbereich erwerben können. Sie sollen sich an bundesweit anerkannten Berufen orientieren. „Damit sind sie stärker an das System beruflicher Bildung angebunden“, erläutert Neugebauer die Strategie.

Wenn sich die Bildungsmaßnahmen von Werkstätten für behinderte Menschen am Ausbildungsrahmenplan orientieren, werden die verschiedenen Qualifizierungsmöglichkeiten enger miteinander verknüpft. „Ein ähnlicher Aufbau und die gleiche Sprache führen zu mehr Verständnis: auf Seiten der Arbeitgeber, die besser einschätzen können, welche Qualifikationen die Menschen mit Behinderung mitbringen. Aber auch auf Seiten der Menschen mit Behinderung, die die Anforderungen der Arbeitswelt dadurch besser einschätzen können“, so Neugebauer.

„Langfristig möchten wir erreichen, dass Menschen mit Behinderungen in Werkstätten anerkannte berufliche Abschlüsse erwerben können“, beschreibt Neugebauer das Ziel. „Wenn wir Bildungsinhalte in der Werkstatt ähnlich aufbauen wie die offiziell anerkannten Ausbildungsgänge, werden die Bildungs- und Arbeitsbereiche durchlässiger für Menschen mit Behinderung. Das erleichtert Werkstattbeschäftigten den Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt“, ist sich Neugebauer sicher.

Die Initiativen von LAG:WfbM und BAG:WfbM haben aber auch eine Wirkung nach innen: die berufliche Bildung findet für jeden innerhalb des gleichen Rahmens statt. Innerhalb dieses Rahmens wird es auch zukünftig ein individuell angepasstes Bildungsangebot in Werkstätten für behinderte Menschen geben, das sich am Bedarf der jeweiligen Person orientiert. Diese Anpassung in Inhalt, Methodik und Didaktik wird nach wie vor durch die Kompetenz der Fachkräfte vor Ort sichergestellt.

Grundsätzlich sollte mindestens der gleiche zeitliche Rahmen für die Qualifizierung durch die Werkstatt und einer Berufsausbildung gelten. Eine Erweiterung des Berufsbildungsbereiches auf drei Jahre ist daher längst überfällig, lautet eine Grundforderung von LAG:WfbM Niedersachsen und BAG WfbM.

3. Dezember 2013 // Praxis und Konzepte, Politik