25Aug

Vitus qualifiziert zum Handwerksgehilfen

In der Werkstatt für behinderte Menschen des Vitus-Werkes in Meppen können junge Erwachsenen nach dem Besuch des Berufsbildungsbereiches ab sofort die Qualifikation zum Handwerksgehilfen in den Bereichen Holz und Metall erlangen. Dass es für diese Jugendlichen mit Förderbedarf eine Perspektive auf dem ersten Arbeitsmarkt gibt, dafür hat sich Vitus in Meppen in Kooperation mit der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim und der Agentur für Arbeit stark gemacht. Mit der Qualifizierung wird den Jugendlichen der Weg zu einer Arbeitsstelle in Betrieben weiter geebnet.

In Anwesenheit zahlreicher Gäste überreichte Peter Voss, Präsident der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland und Grafschaft Bentheim Handwerks- kammer Osnabrück, Emsland und Grafschaft Bentheim (HWK) gemeinsam mit dem stellvertretenden Hauptgeschäftsführer Harald Schlieck den Vitus-Vertretern Michael Korden und Johannes Münzebrock die Akkreditierungsurkunde zur Qualifizierung zum „Handwerksgehilfen/Handwerksgehilfin“ in den Berufsbereichen Holz und Metall. „Diese erstmalig an einen Werkstattträger von einer Handwerkskammer verliehene Akkreditierung macht uns besonders stolz und gibt unseren Teilnehmern Mut, Selbstvertrauen und eine zusätzliche Perspektive für eine Beschäftigung in Handwerksbetrieben der Region,“ so Johannes Münzebrock.

Um zu schauen, ob der Berufsbildungsbereich die beste Qualifizierung für den einzelnen Schüler ist, führen Vertreter der Werkstatt und der Agentur für Arbeit, aufbauend auf der bereits erfolgten Berufswegeplanung zum Ende der Schulzeit, zu Beginn ergänzende Tests durch. Diese zeigen die beruflichen Stärken und Entwicklungspotentiale des Schülers, um gemeinsam die weitere individuelle berufliche Förderung zu planen.

Nach der Teilnahme an Eingangsverfahren und Berufsbildungsbereich, einer zweijährigen Qualifizierung begleitet von einem Bildungsberater, Berufsschulunterricht sowie Praktika auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt können sich die Teilnehmer anschließend zur Prüfung zum Handwerksgehilfen anmelden. Die Qualifizierung erfolgt nach differenzierten Rahmenplänen basierend auf dem entsprechenden Fachkonzept der Agentur für Arbeit.

Nach bestandener Prüfung erhält der Teilnehmer dann das von Vitus und der Handwerkskammer gemeinsam ausgestellte Zertifikat zum Handwerksgehilfen. Diese Bezeichnung ist traditionell im Handwerk verankert, durch sie können viele Betriebe Qualifikation und Leistungsvermögen der Jugendlichen einordnen.

„Für die Jugendlichen ist dies eine wichtige zusätzliche berufliche Chance, da sie mit dem Zertifikat ihrem künftigen Arbeitgeber genauer zeigen können, wo ihre Stärken liegen und in welchen Bereichen sie geschult wurden“, erzählt Johannes Münzebrock, Vitus -Kompetenzfeldleiter berufliche Qualifizierung und Teilhabe am Arbeitsleben. Er hat dieses Projekt in enger Zusammenarbeit mit Harald Schlieck, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland, durchgeführt. „Eine gesetzliche Ebene für diese berufliche Qualifizierung mit Prüfung und Zertifikat gibt es zwar nicht, es spricht aber auch gesetzlich nichts dagegen, dies in die Wege zu leiten“, berichtet Harald Schlieck, der vor zwei Jahren mit der Planung des Qualifizierungssystems begann.

„Dieser Leistungsnachweis ist wichtig und soll den Jugendlichen Mut und Selbstvertrauen geben. Wir hoffen, dass die Qualifizierung und das Zertifikat auch über die regionalen Grenzen hinaus Beachtung, Anerkennung und Nachahmer finden“, sagt Peter Voss, Präsident der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim.

Um die Jugendlichen auf ihrem Weg in die Arbeitswelt zu unterstützen, bereiten Elisabeth Wittenbrink, Leiterin der Jakob-Muth-Schule, und weitere Bildungsbegleiter die jungen Erwachsenen mit Mobilitätstraining und Maschinen-Lehrgängen bereits in den letzten Schuljahren konkret auf den Berufsalltag vor. „In Praktika können die Schüler zudem schon Mal in einen handwerklichen Betrieb hineinschnuppern“, erzählt Wittenbrink.

„Wir sind froh, gemeinsam mit den vielen anwesenden Netzwerkpartnern Agentur für Arbeit, Landkreis Emsland, Berufsbildenden Schulen und der Jakob-Muth-Schule diesen innovativen Schritt gehen zu können, der auch nach Wunsch der Handwerkskammer pilothaft in die Region ausstrahlen sollte und sich hervorragend mit unserer emsländischen Initiative „Inklusiver Betrieb“ ergänzt“, so Michael Korden.

Besonderer Dank gilt Harald Schlieck und Johannes Münzebrock, die das Thema in enger Abstimmung gemeinsam vorangetrieben haben.

Das Projekt und sein Ergebnis sind ein schönes und anregendes Beispiel für Initiativen von Werkstätten zur Weiterentwicklung der beruflichen Bildung und Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen mit Beeinträchtigung. Die Initiative ist auch eine gute Ergänzung des LAG:WfbM-Projektes Qualifizierungsbausteine, das noch in diesem Jahr ebenfalls seine Ergebnisse vorstellen und allen LAG:WfbM-Mitgliedern zur Verfügung stellen wird.

Ansprechpartner:

Johannes Münzebrock, Kompetenzfeldleiter

Tel. 05931 807–130

johannes.muenzebrock@vitus.info


25. August 2014 // Praxis und Konzepte