28Aug

Inklusion und Teilhabe für Menschen mit Behinderung

Bei einem ersten gemeinsamen Klausurtag hatten die Arbeitsgruppe Politik und Verbände der LAG Werkstätten für behinderte Menschen (LAG:WfbM) und der Fachausschuss Behindertenhilfe der LAG Freie Wohlfahrtspflege grundsätzliche Aussagen zur Teilhabe am Arbeitsleben (berufliche Bildung/Beschäftigung/Arbeit) für behinderte Menschen unter dem Aspekt Inklusion formuliert. Die dort begonnene thematische Arbeit fand ihre Fortsetzung in einem zweiten gemeinsamen Klausurtag im Juli 2015.Schwerpunkt des zweiten Klausurtages war dabei die Fragestellung, welchen Beitrag die Verbände zur inklusiven Gestaltung der Teilhabe für Menschen mit Behinderung leisten können.

Teilhabe und Inklusion setzt Beteiligung und aktive Mitwirkung von Menschen mit Behinderung auch in den Verbänden und ihren Gremien voraus. Diese ist in den einzelnen Verbänden der LAG Freie Wohlfahrtspflege unterschiedlich ausgeprägt. Sie muss passend gestaltet werden und darf keine Alibifunktion sein. In einem ersten konkreten Schritt wird der Fachausschuss Behindertenhilfe für die Anhörung zum Aktionsplan der Landesregierung eine Arbeitsgruppe von Menschen mit Behinderung einrichten. Das Thema muss aber auch in den Verbänden unbedingt weiter diskutiert werden.

Wichtige Voraussetzungen für Inklusion und Teilhabe sind die Erreichbarkeit und Verständlichkeit von Informationen für Menschen mit (geistiger) Beeinträchtigung. Wichtige Dokumente und Informationen müssen für diesen Personenkreis in verständlicher (einfacher/leichter) Sprache zur Verfügung gestellt werden. Einfache/leichte Sprache muss zielgruppenorientiert mehr zum (Arbeits-) Alltag insbesondere in den Verbänden gehören. Bei Texten für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung kann auch die Unterstützung der bereits im Land vorhandenen Übersetzungsbüros für einfache/leichte Sprache genutzt werden. LAG WfbM und Fachausschuss Behindertenhilfe vereinbarten, zukünftig bei entsprechenden Veröffentlichungen möglichst einfache Sprache zu verwenden.

Beide Klausurtags-Partner sind sich einig, dass gelingende Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen mit Behinderung einen inklusiven Arbeitsmarkt voraussetzt. Um Übergänge aus Werkstätten für Menschen mit Behinderung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu gestalten, ist das Budget für Arbeit in Niedersachsen grundsätzlich ein gutes Instrument. Allerdings ist es viel zu wenig bekannt, in der Umsetzung zu kompliziert und finanziell nicht ausreichend ausgestattet. Die LAG:WfbM hat daher in einem Eckpunkte-Papier dem Sozialministerium Vorschläge zur zukünftig besseren Ausgestaltung des Budgets für Arbeit unterbreitet. Das Sozialministerium hat in einer ersten Reaktion Interesse für die Vorschläge gezeigt.

Es genügt aber nicht nur, Forderungen an Andere zu stellen. Verbände und ihre Einrichtungen müssen bei der Umsetzung der Forderungen vorbildhaft selbst vorangehen. Das Budget für Arbeit muss auch in den Verbänden und in deren Bereichen (z.B. Altenhilfe) bekannt werden. Bei der Schaffung von sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen für Menschen mit Behinderung müssen Verbände und ihre Einrichtungen ebenso Vorbild sein.

Ein wichtiges Anliegen für die LAG:WfbM wie für den Fachausschuss Behindertenhilfe ist der Personenkreis der Menschen mit schwerer Behinderung/hohem Unterstützungsbedarf. Dieser Personenkreis ist bisher auch in Niedersachsen von Beruflicher Bildung und Teilhabe am Arbeitsleben weitgehend ausgeschlossen. Die LAG:WfbM hat inzwischen eine Arbeitsgruppe eingerichtet, an der neben WfbM auch Vertreter von Tagesförderstätten aktiv mitarbeiten. Auftrag der Arbeitsgruppe ist es, ein fachliches Konzept zur Beruflichen Bildung für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf sowie einen Vorschlag für eine mögliche finanzielle Grundstruktur zu erarbeiten.

Der Fachverband des Diakonischen Werkes hat im Sinne von Beteiligung und Mitwirkung eine Arbeitsgruppe mit Menschen mit Behinderung gestartet. Auftrag dieser Arbeitsgruppe ist es, aus Sicht der Menschen mit Behinderung Grundaussagen zu den Themen Bildung und Arbeit zu formulieren.

Beide Arbeitsgruppen wollen bis zum Jahreswechsel2015/2016 ihre Aufträge erledigen. LAG:WfbM sowie der Fachausschuss Behindertenhilfe werden sich danach mit den Ergebnissen beschäftigen und beraten, wie diese in die politische Diskussion eingebracht werden können.

Am Ende des Klausurtages äußerten sich die Teilnehmer zufrieden über die konkreten Ergebnisse der Klausur. Die ersten Schritte sind vereinbart, weitere Schritte müssen jetzt noch in den Verbänden diskutiert, beschlossen und umgesetzt werden.

Inklusion

Teilhabe

Teilhabe am Arbeitsleben

Menschen mit Behinderung

Werkstatt für behinderte Menschen

28. August 2015 // Praxis und Konzepte, Politik