04Aug

Kennzahlenvergleich Eingliederungshilfe 2014

Jetzt liegt auch der Kennzahlenvergleich für die Eingliederungshilfe 2014 der überörtlichen Sozialhilfeträger vor. Der Kennzahlenvergleich erfasst die Bereiche Wohnen, Arbeit und Beschäftigung, Tagesförderstätten sowie Tagesstätten für Menschen mit seelischer Behinderung.

Die wichtigsten Ergebnisse im Bereich Arbeit und Beschäftigung für Menschen mit Behinderung:

  • Ende 2014 waren bundesweit 302.007 Personen in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) beschäftigt oder besuchten eine Tagesförderstätte, das sind 2 % mehr als noch im Jahr zuvor.
  • Im durch die Sozialhilfe finanzierten WfbM-Arbeitsbereich arbeiteten Ende 2014 insgesamt 268.409 Menschen.
  • Zwischen 2007 und 2013 stieg die Zahl der Menschen in WfbM durchschnittlich um 5 %. Dieser Anstieg hat sich seit 2008 jedoch stetig abgeflacht und betrug im Jahr 2014 im Vergleich zum Vorjahr noch 1,7 %.
  • Die Quote der in Teilzeit beschäftigten Leistungsberechtigten im WfbM-Arbeitsbereich betrug durchschnittlich bundesweit und auch in Niedersachsen 10,2 % (Vorjahr: 6,0 %).
  • Die Gesamtausgaben aller deutschen Sozialhilfeträger für WfbM-Leistungen stiegen in2014 um 4,1 % gegenüber dem Vorjahr. Die Fallkosten lagen bei rund 14.700 Euro (ein Plus von 343 Euro oder 2,39 % gegenüber dem Vorjahr).
  • Für den Bereich der Tagesförderstätten stiegen die Ausgaben im Kalenderjahr 2014 um 8,6 % gegenüber dem Vorjahr.

Weitere Ergebnisse im Überblick: Arbeit und Beschäftigung

(WfbM / Tagesförderstätte / Tagesstätte für Menschen mit seelischer Behinderung)

  • Drei Viertel der Menschen in WfbM haben eine geistige Behinderung, knapp ein Fünftel eine seelische, sechs Prozent eine körperliche.
  • Von 1.000 Einwohnern und Einwohnerinnen zwischen 18 und 65 Jahren waren am Jahresende 2014 bundesweit insgesamt 5,9 im Arbeitsbereich einer WfbM oder in einer Tagesförderstätte beschäftigt.
  • Seit Einführung des SGB XII im Jahr 2005 hat sich die Zahl der Menschen, die im WfbM-Arbeitsbereich beschäftigt sind, im Durchschnitt jährlich um 2,8 % (ohne Rheinland-Pfalz) erhöht, von 2013 auf 2014 betrug der Anstieg 1,7 % (mit Rheinland-Pfalz).
  • Die Brutto-Ausgaben pro leistungsberechtigter Person im WfbM-Arbeitsbereich sind 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 487 Euro auf durchschnittlich insgesamt 14.700 Euro angestiegen.
  • Die Gruppe der 40- bis unter 50-Jährigen stellt 2014 die größte Altersklasse unter den Leistungsberechtigten in WfbM. Die Altersklassen der 30- bis unter 40-Jährigen und 50- bis unter 60-Jährigen sind beide annähernd gleich groß.
  • Gut die Hälfte aller WfbM-Beschäftigten benötigt keine Unterstützung beim Wohnen durch die Eingliederungshilfe.
  • Seit 2012 hat sich die Zahl der Leistungsberechtigten in Tagesförderstätten um durchschnittlich 7,6 % jährlich erhöht. Gegenüber dem Vorjahr lag die Steigerung bei 4,5 %.
  • Die durchschnittlichen Ausgaben pro leistungsberechtigter Person in den Tagesförderstätten haben sich 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 4,7 % (970 Euro) auf insgesamt 21.759 Euro erhöht.
  • Die Zahl der Leistungsberechtigten in Werkstätten und Tagesförderstätten beträgt zum Jahresende 2014 für das Bundesgebiet 302.007 Personen. Sie ist seit 2012 insgesamt um 2,4 % und zum Vorjahr um 2 % gestiegen (2012 auf 2013: plus 2,7 %). In WfbM beträgt der Anstieg in 2014 zum Vorjahr nur noch 1,7 %, seit 2012 betrug er insgesamt durchschnittlich 1,8 %, damit ist eine leichte Abflachung des Anstiegs sichtbar.
  • In Tagesförderstätten betrug der Anstieg in 2013 zum Vorjahr 10,8 %, in2014 zum Vorjahr noch 4,5 % und damit seit 2012 insgesamt durchschnittlich 7,6 %.
  • Die bundesweite mittlere Dichte (Leistungsberechtigte pro 1000 Einwohner) lag für WfbM und Tagesförderstätte in 2014 bei 5,9 Leistungsberechtigten pro 1.000 Einwohner/innen (18 bis unter 65 Jahre), für Niedersachsen bei 6,85. Im Bundesgebiet zeigen sich regionale Unterschiede bei der Dichte von 3,6 bis 8,9 Personen je 1.000 Einwohner/innen. Während in den ostdeutschen Flächenländern die mittlere Dichte bei 7,5 Leistungsberechtigten pro 1.000 altersgleicher Einwohner lag, sind es in den Stadtstaaten 4,9 und in Westdeutschland 5,7.
  • Die Brutto-Ausgaben WfbM und Tagesförderstätte pro Leistungsberechtigte lagen in Niedersachsen in 2014 mit € 15.255 knapp unter dem gewichtetet Mittelwert bundesweit von € 15.485. In den ostdeutschen Flächenländern liegen die Brutto–Ausgaben gemittelt mit € 11.881allerdings um rund 23 % unter dem Bundesdurchschnitt.
  • Die Anzahl der Leistungsberechtigten in Tagesstätten für Menschen mit seelischer Behinderung ist im Vergleich zum Vorjahr um 2,8 % auf 10.797 Personen gestiegen.
  • Im Jahr 2014 kamen auf 10.000 Personen zwischen 18 und 65 Jahren durchschnittlich drei Plätze in Tagesstätten für Menschen mit seelischer Behinderung.
  • Die Ausgaben pro Platz in einer Tagesstätte für Menschen mit seelischer Behinderung betrugen im Jahr 2014 im gewichteten Mittel knapp 14.000,-- Euro.

Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM)

Im Jahr 2014 lag der Anstieg von Leistungsberechtigten in WfbM im Bundesdurchschnitt bei 1,7 Prozent zum Vorjahr. Seit Einführung des SGB XII in 2005 hat sich die Zahl der Menschen, die im Arbeitsbereich einer WfbM beschäftigt sind, im Durchschnitt jährlich um 2,8 Prozent (ohne Rheinland-Pfalz) erhöht. Die Dynamik des Fallzahlanstiegs geht jedoch seit 2008 (plus 3,6 Prozent zum Vorjahr) stetig zurück.

In Niedersachsen ist die Zahl der Leistungsberechtigten in WfbM in 2014 um 1,6 % im Vergleich zum Vorjahr auf insgesamt 27.526 gestiegen, seit 2006 um 2,6 % (bundesweit: 3,3 %).

Die Anzahl der Leistungsberechtigten im WfbM-Arbeitsbereich pro 1.000 Einwohner/innen (18 bis unter 65 Jahre) betrug in Niedersachsen 5,7 Personen bei einer bundesweiten Spreizung von 2,9 bis 8,2. Der gewichtete bundesweite Mittelwert betrug 5,3 Personen.

Die Brutto-Ausgaben im WfbM-Arbeitsbereich pro Leistungsberechtigten (einschließlich aller Nebenkosten wie Fahrtkosten, Arbeitsförderungsgeld etc.) betrugen in Niedersachsen in 2014 € 14.728, im gewichteten Mittelwert 2014 bundesweit € 14.700, der Niedersachsen-Wert liegt damit nur an 13. Stelle der Leistungsträger in den alten Bundesländer.

Die Fahrtkosten pro Leistungsberechtigtem im WfbM-Arbeitsbereich (Gesamtsumme der Ausgaben für Fahrtkosten geteilt durch alle LB im WfbM-AB) beliefen sich in Niedersachsen in 2014 auf € 1.500. Für das Kalenderjahr 2014 errechnet sich ein gewichteter Mittelwert bundesweit bei den Fahrtkosten in Höhe von € 1.564 pro Leistungsberechtigtem (plus 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr).

Die durchschnittlichen Ausgaben für Vergütungen pro Leistungsberechtigtem im WfbM-Arbeitsbereich betrugen ca. € 11.353 (Daten von 19 Trägern). Im Vergleich zum Vorjahr sind diese um € 250 gestiegen. Niedersachsen steht dabei mit € 11.333,-- nur an 12. Stelle der westdeutschen Leistungsträger.

Auch in 2014 zeigt sich weiter eine auffällige Abweichung zum Mittelwert für die ostdeutschen Flächenländer, die im Mittel mit Ausgaben für die Vergütung von € 8.491 pro leistungsberechtigter Person rund 25 % unter dem Bundesschnitt liegen.

Die Altersstruktur der Leistungsberechtigten in WfbM hat sich innerhalb von zwölf Jahren sichtbar verändert. Die größte Altersklasse stellten 2004 die 30- bis unter 40-jährigen Leistungsberechtigten. Entsprechend der allgemeinen demografischen Entwicklung hat sich die Altersverteilung im Zeitverlauf verschoben. Die größte Altersklasse liegt 2014 im Bereich der 40- bis unter 50-Jährigen. Die Altersklassen der 30- bis unter 40-Jährigen und die 50- bis unter 60-Jährigen sind annähernd gleich groß.

Die Anteile nach der festgestellten primären Behinderungsform für Menschen im WfbM-Arbeitsbereich unterscheiden sich bundesweit nicht signifikant. Drei Viertel der Menschen in WfbM haben demnach eine geistige Behinderung, knapp ein Fünftel eine seelische, sechs Prozent eine körperliche. Diese Werte sind seit 2011 weitgehend stabil geblieben.

41 % der Leistungsberechtigten in WfbM waren weiblichen Geschlechts, 59 % entsprechend männlich, dieser Wert hat sich seit 2007 nicht verändert.

Gut die Hälfte aller WfbM-Besucher/innen lebt ohne eine Unterstützung zum Wohnen durch die Eingliederungshilfe. Klassischerweise handelt es sich hier um das Wohnen im eigenen Familienverbund, z.B. bei den Eltern. Dieser Anteil variiert bundesweit zwischen 44 % und 64 % Prozent. Im Durchschnitt leben lediglich 16 % der WfbM-Beschäftigten in der eigenen Wohnung mit einer ambulanten Betreuung (zwischen 6 % und 21 % bundesweit).

Stationär wohnen in Niedersachsen 41 %, im gewichteten Mittelwert bundesweit 33 %.

Tagesförderstätte

Insgesamt hat sich die absolute Zahl der Leistungsberechtigten in Tagesförderstätten seit 2012 um jährlich durchschnittlich 7,6 % erhöht. In Niedersachsen erfolgte eine strukturelle Änderung bezüglich der heiminternen Tagesstruktur, die dazu führt, dass Leistungen aus der Betreuung in Einrichtungen herausgelöst und nun in Tagesförderstätten erbracht werden. Diese Änderung ab dem Jahre 2013 führt dazu, dass ein Vorjahresvergleich mit 2012 in Niedersachsen nicht möglich ist. Die Anzahl der Leistungsberechtigten in Tagesförderstätten stieg in Niedersachsen von 2013 nach 2014 um 10,8 %, gewichteten Mittelwert bundesweit dagegen nur um4,5 %.

Der Anteil weiblicher Leistungsberechtigter in Tagesförderstätten beträgt 44 %. Dieser Anteil hat sich seit 2007 nicht verändert.

Die Anzahl der Leistungsberechtigten in Tagesförderstätten pro 1.000 Einwohner/innen (18 bis unter 65 Jahre) weist in Niedersachsen mit 1,16 mit Abstand den höchsten Wert der westdeutschen Länder nach den Stadtstaaten auf, der gewichtete bundesweite Mittelwert lag bei 0,84.

Pro leistungsberechtigter Person in Tagesförderstätten gaben die überörtlichen Träger im Jahr 2014 im Mittel € 21.759als Brutto-Ausgaben aus. Dies entspricht einer Erhöhung gegenüber dem Vorjahr um € 818(plus 3,9 Prozent). Niedersachsen weist dabei mit € 17.828,-- den niedrigsten Wert der westdeutschen Länder auf (Stadtstaaten: € 24.580, westliche Flächenländer: € 21.793, östliche Länder: € 18.358).

Tagesstätte für Menschen mit seelischer Behinderung

Die Tagesstätte für Menschen mit seelischer Behinderung ist ein Angebot der Eingliederungshilfe mit dem Schwerpunkt der Tagesstrukturierung. Die Hilfe soll die Menschen in der Entwicklung ihrer alltagspraktischen und sozialen Kompetenz und Fertigkeiten fördern sowie bei der Gestaltung des Tages- und Wochenablaufes und gegebenenfalls bei der Behandlung und Krankheitsbewältigung unterstützen.

Die Zahl der Leistungsberechtigten in Tagesstätten für Menschen mit seelischer Behinderung ist im Vergleich zum Vorjahr bundesweit um 2,8 Prozent auf 10.797 Personen gestiegen. Dabei weist Niedersachsen mit 8,9 % die höchste Steigerungsrate auf insgesamt 1.670 Plätze aus und seit 2008 mit 8,3 % die zweithöchste Steigerungsrate bundesweit.

Je 10.000 Einwohner/innen zwischen 18 und 65 Jahren stehen bundesweit durchschnittlich drei Plätze in Tagesstätten zur Verfügung. In einigen Bundesländern (Hessen, Mecklenburg-

Vorpommern und Thüringen) liegen die Platzdichten deutlich höher als der Mittelwert. Die absolute Zahl der Plätze stieg bei fast allen überörtlichen Sozialhilfeträgern imBetrachtungszeit-raum von 2005 bis 2014 leicht an, im jährlichen Mittel durchschnittlich um 1 Prozent.

Die bundesweit durchschnittlichen Brutto-Ausgaben pro Platz in einer Tagesstätte für Menschen mit seelischer Behinderung betragen knapp 14.000 Euro, der Wert ist in den vergangenen Jahren im gewichteten Mittel stetig angestiegen (2005: 11.619 Euro). In Niedersachsen liegt er in 2014 mit € 13.134,-- allerdings nur an achter Stelle der westdeutschen Sozialhilfeträger.

Den gesamten Kennzahlenvergleich Eingliederungshilfe 2014 der überörtlichen Sozialhilfeträger finden Sie hier.

Kennzahlenvergleich Eingliederungshilfe

Kennzahlenvergleich 2014 Eingliederungshilfe

Überörtliche Träger der Sozialhilfe

BAGüS

Bundesarbeitsgemeinschaft der überörtlichen Träger der Sozialhilfe (BAGüS)

Werkstätten für behinderte Menschen

WfbM

Tagesförderstätten

Tagesstätten

Tagesstätten für Menschen mit seelischer Behinderung

4. August 2016 // Politik