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Deutsch-polnischer Kongress in Großpolen

Deutsch-polnischer Werkstatt-Kongress in Großpolen

Deutsch-polnische WfbM-Kooperation weiterentwickelt

Die seit dem Jahre 2006 bestehende Kooperation zwischen Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) in Niedersachsen und Werkstätten der Region Großpolen wurde im Rahmen eines gemeinsamen Kongresses am 25./26.09.2019 in Mosina/Großpolen reflektiert und weiterentwickelt.

Geschäftsführer, Leitungs- und Fachkräfte aus den jeweils an der Kooperation beteiligten Werkstätten aus Niedersachsen und Großpolen waren nach Mosina angereist, um gemeinsam einen Rückblick über ihre bisherige Kooperation zu halten, über mögliche neue Formen nachzudenken und sich auszutauschen sowie auch einen Blick in den europäischen Vergleich vorzunehmen.

Der erste Kongresstag stand inhaltlich ganz im Zeichen des Rückblicks der bisherigen Kooperation. Dabei wurde deutlich, dass insbesondere die bilaterale Zusammenarbeit zwischen deutschen und polnischen Werkstätten bisher in beeindruckender Weise auf den unterschiedlichsten Ebenen stattgefunden hat. Neben Management-Themen, Fragen zur politischen Arbeit, Qualitätsmanagement, Netzwerk-Arbeit, Finanzierungs- und Leitungsfragen wurden in der Kooperation auch Themen wie Selbstbestimmung und Selbstvertretung der Menschen mit Behinderung, der Personenkreis der Menschen mit hohem Assistenzbedarf, Reha- und Fortbildungsplanung, Arbeitsorganisation, Vermittlung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt bis hin zu Dokumentations-Entwicklung bearbeitet. Selbst gesellschaftspolitisch kritische Themen wie die geschichtliche Verantwortung Deutschlands wurden dabei nicht ausgespart. Weitere wichtige Bereiche der Kooperation waren natürlich auch Sport, Kunst und Kultur, letztere kamen insbesondere in den 2-jährlich stattgefundenen gemeinsamen Kultur-und Musikfestivals zum Ausdruck.

Ziel der deutsch-polnischen Kooperation war/ist die gegenseitige Unterstützung zur Weiterentwicklung der Werkstätten bis hin zum Thema einer Verbands-Gründung. Zum Teil wurden die bilateralen Kooperationen durch Aktion Mensch-Förderungen finanziell unterstützt und/oder fanden ihren Niederschlag in gegenseitigen Kooperations-Verträgen. Immer aber galt zwischen deutschen und polnischen Werkstätten im Sinne gegenseitigen Respekts und gleicher Augenhöhe als Angebot zur Auswahl der Grundsatz: wir machen es nicht „richtig“, sondern nur anders !

Im zwischenmenschlichen Bereich sind durch die Kooperationen immer wieder zahlreiche Freundschaften bis hin zu gemeinsamen Urlauben sogar im privaten Bereich entstanden. Auch die Erfahrung, dass unterschiedliche Sprachen keine Barrieren sein müssen, war eine wichtige Erkenntnis im Rahmen der bisherigen gemeinsamen Zusammenarbeit und Verständigung.

Der Vormittag des zweiten Konferenztages stand unter der Überschrift „Soziale und berufliche Inklusion der Menschen mit Behinderung im europäischen Kontext“, an diesem Konferenzteil nahmen von polnischer Seite auch Vertreter von Landesministerien, regionalen Behörden, Arbeitgeber- sowie Behindertenverbänden teil.

Im ersten Vortrag ging die Vorsitzende eines polnischen Behindertenverbandes und gleichzeitig Mitglied eines ministeriellen Beratungs-Gremiums in engagierter und überzeugender Weise auf die soziale und berufliche Inklusion im Kontext der UN-Behindertenrechtskonvention in ihrer Bedeutung insbesondere auch für die praktische Umsetzung nicht zuletzt auch im Alltagsleben ein. Danach referierte Katharina Bast, Europa-Referentin der BAG:WfbM, vergleichend zu europäischen Aspekten der Inklusion.

Auf besonders großes Interesse bei den polnischen Partnern stieß der anschließende Vortrag von Detlef Springmann, Geschäftsführer Lebenshilfe Braunschweig, zum Budget für Arbeit in Niedersachsen. Der Vormittag endete mit einem Bericht eines sehr gelungenen Beispiels einer polnischen Werkstatt über die Einrichtung einer Außenarbeitsgruppe in einem Wirtschafts-Unternehmen.

Der Nachmittag des zweiten Kongresstages stand ganz im Zeichen der Weiterentwicklung der deutsch-polnischen Kooperation. Wesentliches Ergebnis von 2 gemischten Diskussionsgruppen war die Vereinbarung, zukünftig 2-jährlich wieder einen gemeinsamen inhaltlichen Kongress zu veranstalten und darüber hinaus eine gemeinsame Internet-Plattform einzurichten, auf der von Mitgliedern der Kooperation zu den unterschiedlichsten Themen Angebote und Veranstaltungen eingestellt werden können, an denen sich je nach Interesse Werkstätten/Personengruppen auch in immer wieder unterschiedlichen Konstellationen zusammenfinden können. Zur Mitwirkung und Beteiligung sind ebenso Werkstätten eingeladen, die (noch) über keinen bilateralen Kooperationspartner verfügen. Wichtiger Teil der Vereinbarung ist weiterhin die gegenseitige Zusicherung, die Kooperation sowohl auf der Geschäftsführungs-/Leitungs-, als auch auf der Ebene der Fachkräfte sowie der Menschen mit Behinderung auf dieser Grundlage fortzuführen.

7. Oktober 2019 // News, Praxis und Konzepte