20Dez

Erstes landesweites WfbM-Benchmarking Teilhabe am Arbeitsleben

Erstes landesweites WfbM-Benchmarking Teilhabe am Arbeitsleben


Qualitäts-Initiative der LAG:WfbM Niedersachsen


Zur Weiterentwicklung der Qualität der Unterstützungs- und Assistenzleistungen, kurz der Teilhabe-Prozesse, in WfbM hat die Mitgliederversammlung der LAG:WfbM Niedersachsen im November 2015 eine landesweite Qualitäts-Initiative für WfbM beschlossen, der sich auch Werkstätten aus Bremen angeschlossen haben. Wesentlicher Bestandteil der Qualitäts-Initiative ist ein Benchmarking Teilhabe am Arbeitsleben in WfbM, das vom Institut für Technologie und Arbeit (ITA) der Universität Kaiserslautern durchgeführt wird. Niedersachsen ist damit das erste Bundesland, in dem das WfbM-Benchmarking Teilhabe am Arbeitsleben als landesweite Initiative gestartet wurde.


Seit über zehn Jahren entwickelt ITA in enger Zusammenarbeit mit engagierten Werkstätten Kennzahlen und Befragungen zur Teilhabe am Arbeitsleben in WfbM. Diese praxisorientierten Qualitäts-Messungen ermöglichen die Bewertung der Qualität aus beiden Perspektiven: sowohl über objektiv messbare Daten als auch über die Befragung von Mitarbeitern mit Behinderung zum subjektiven Erleben.


Im Jahre 2016 beteiligten sich 33 WfbM in Niedersachsen und Bremen mit knapp 18.000 Menschen mit Behinderung am Benchmarking Teilhabe am Arbeitsleben. Ab dem Jahr 2017 sind es jetzt insgesamt 40 WfbM, darunter sind nahezu alle großen und mittleren Werkstätten in Niedersachsen. In einem zweiten Schritt ist zu einem späteren Zeitpunkt auch die Konzipierung eines Benchmarkings für Tagesförderstätten in Niedersachsen vorgesehen.


Die Reha-Prozesse zur Teilhabe am Arbeitsleben sind das Kerngeschäft der WfbM und damit ihre wichtigsten Prozesse. Das Reha-Benchmarking ist der systematische, datenbasierte Vergleich von Prozessen in WfbM, der darauf abzielt, die Qualität der eigenen Leistungserbringung kontinuierlich zu verbessern und von den Besten/den Anderen zu lernen. Auf der Grundlange einer gemeinsamen Definition und Standards der Kernprozess-Qualität personenzentrierter Teilhabe am Arbeitsleben werden einheitliche Qualitätsmessungen mit 16 Kennzahlen (z. B. Anzahl der Berufsbilder, übergangsfördernde Maßnahmen, Anzahl Nutzer des Budgets für Arbeit, Inklusion-Checkliste) durchgeführt.


Durch die Bewertung der eigenen Dienstleistungsqualität im Vergleich zu derer anderer Werkstätten belegt das Benchmarking die Qualität der eigenen Prozesse Teilhabe am Arbeitsleben auf wissenschaftlicher Daten-Basis und macht sie vergleichbar. Es dokumentiert nicht nur (rückwärtsgewandt) den „Status Quo“, sondern liefert Grundlagen und Aufforderungen zur zukunftsorientierten Weiterentwicklung einer personenzentrierten Teilhabe am Arbeitsleben. Gleichzeitig liefert es damit Qualitäts-Standards, die als Messlatte auch für die zukünftig „anderen Leistungsanbieter“ (Bundesteilhabegesetz) als Mitbewerber gelten sollen/müssen.


Mit der jährlichen Datenerhebung in den WfbM werden für diese die dortigen Entwicklungen sichtbar, gemeinsame regionale Auswertungs-Workshops bieten die Möglichkeit des gegenseitigen Abgleichs untereinander und des Lernens von den Besten. Die Ergebnisse des Reha-Benchmarkings erhöhen deutlich die Diskussions- und Entwicklung-Bereitschaft der Themen Qualität und Inklusion werkstattintern auf verschiedenen Ebenen und zeigen auf, welchen Beitrag die Werkstatt zur Teilhabe am Arbeitsleben erbringt/erbringen kann. Die Benchmarking-Ergebnisse sind damit eine hervorragende Grundlage zur Entwicklung und Priorisierung von kontinuierlicher Weiterentwicklung und Verbesserungen (KVP) sowie Steuerung der Reha-Qualität.
Wie bei jedem Benchmarking ist es wichtig, dass die daraus abzuleitenden Ziele und Maßnahmen systematisch verfolgt und umgesetzt werden. Das Benchmarking unterstützt somit bestehende QM-Systeme (auch im Hinblick auf die neue ISO) und die AZAV-Zertifizierung. Insbesondere im Rahmen der Benchmarking-Workshops der teilnehmenden WfbM bietet es in diesen Netzwerken einen intensiven fachlichen Austausch.


Die aggregierten Gesamt-Ergebnisse des Reha-Benchmarkings sind darüber hinaus eine gute und dringend notwendige Basis zur Außendarstellung der WfbM-Teilhabeleistungen sowie für Gespräche und Verhandlungen mit Politik, Leistungsträgern und Behörden.


Zur Durchführung des Benchmarkings wurden in den teilnehmenden WfbM Projektverantwortliche bestimmt und vom Institut für Technologie und Arbeit (ITA) entsprechend geschult. Eine erste einrichtungsbezogene wie auch in aggregierter Form landesweite Benchmarking-Auswertung liegt für 2016 jetzt vor. In einem 2-tägigen Benchmarking-Workshop mit den Geschäftsführungen und Projektverantwortlichen wurden in 2017 sowohl die wichtigsten Gesamt-Ergebnisse des ersten landesweiten Benchmarkings als auch das Vorgehen und die Erfahrungen von WfbM mit sehr guten Teil-Ergebnissen vorgesellt und diskutiert. Durch die dabei entstandene sehr offene und kollegiale Atmosphäre wurde eine hervorragende Grundlage geschaffen, um im Nachgang in Lernpartnerschaften im gegenseitigen vertieften Austausch von den Anderen/den Besten zu lernen.


Zur leichteren Vergleichbarkeit der verschiedenen Erhebungsgrößen und zur Unterstützung der Bewertung der Benchmarking-Ergebnisse wurde für jeden Indikator ein Punktwert berechnet, der immer zwischen 0 Punkten (schlechtestes Ergebnis) und 100 Punkten (bestes Ergebnis) liegt.


Bei den internen Praktika erreichen die niedersächsischen Werkstätten einen Wert von 39 Punkten im Vergleich zu 31 Punkten der übrigen Werkstätten im Bundesgebiet. Bei den externen Praktika ist der Unterschied sogar noch größer: 44 Punkte bei den niedersächsischen Werkstätten gegenüber 32 Punkte bei den übrigen WfbM im Bundesgebiet. Das zeigt, dass sowohl interne Praktika als auch externe Praktika umso mehr in WfbM in Niedersachsen eine große Bedeutung haben und vergleichsweise gut ausgebaut sind.


Mehr als jeder 10. Arbeitsplatz in den niedersächsischen Werkstätten kann als „begegnungsfördernd“ bezeichnet werden, mit 11,7 % wird damit ein recht guter Wert erreicht. Bei den begegnungsfördernden Arbeitsplätzen liegen die niedersächsischen WfbM mit 50 Punkten damit deutlich vor den übrigen WfbM im Bundesgebiet mit 34 Punkten.


Im Rahmen der Mitarbeiterbefragung wurden in Niedersachsen und Bremen über 11.300 WfbM-Beschäftigte mit Beeinträchtigung interviewt. Bei der Frage, ob die WfbM-Beschäftigten ihre Arbeit gern machen, liegt Niedersachsen-Bremen mit dem sehr hohen Wert von 92 Punkten fast gleichauf mit den übrigen Werkstätten im Bundesgebiet (93 Punkte).


Jeweils 78 % der WfbM-Beschäftigten in Niedersachsen sind stolz auf ihre Arbeit und fühlen sich insgesamt wohl, die ausreichende Vorinformation und Vorbereitung auf einen betriebsintegrierten Arbeitsplatz wird von gut 2/3 bestätigt. Insgesamt ist die Zufriedenheit unter den Werkstattbeschäftigten sehr hoch, 4 von 5 WfbM-Beschäftigten machen ihre Arbeit gern und fühlen sich gut unterstützt.


Dass die Werkstatt lernförderliche Bedingungen schafft, sodass die WfbM-Beschäftigten etwas dazulernen können, wird von 72 % der WfbM-Beschäftigten bestätigt. Die Möglichkeit, in Werkstätten immer etwas dazuzulernen, liegt in Niedersachsen mit 83 Punkten sogar etwas höher als in den übrigen Werkstätten im Bundesgebiet mit 80 Punkten.


Auch auf die Fragestellung, ob der/die WfbM-Beschäftigte bei den Arbeitsbegleitenden Maßnahmen/Angeboten dazulernen kann, liegt Niedersachsen mit 81 Punkten über den 75 Punkten der übrigen WfbM aus dem Bundesgebiet. Auch die Unterstützungsleistung der WfbM wird von den WfbM-Beschäftigten in Niedersachsen wie auch im übrigen Bundesgebiet mit 90 Punkten sehr hoch bewertet. Bei der Frage, ob WfbM-Beschäftigte in ihrer Gruppe an den Arbeitsplätzen arbeiten können, die sie sich wünschen, liegt Niedersachsen mit 79 Punkten auch noch etwas über dem restlichen Bundesgebiet mit 75 Punkten.


In der zusammenfassenden Benchmarking-Bewertung zur Qualität der Teilhabe am Arbeitsleben haben die teilgenommenen Werkstätten in Niedersachsen bei den Themen Ermöglichung lebenslangen Lernens durch differenzierte Bildungsangebote, der Teilhabe am Arbeitsleben durch differenzierte Arbeitsangebote, im Bereich Inklusion und Lebensqualität bei der Gemeinsamen Vereinbarung und Umsetzung beruflicher und persönlicher Ziele und der Unterstützung unabhängiger Lebensführung durch differenzierte Assistenzangebote zwischen 53 Punkte 84 Punkte erreicht.


Die LAG:WfbM Niedersachsen freut sich über den Zuspruch und die große Beteiligung, die das Benchmarking Teilhabe am Arbeitsleben bei den niedersächsischen Werkstätten gefunden hat. So ist sichergestellt, dass durch eine repräsentative Datenbasis aussagekräftige Ergebnisse möglich werden. Diese wiederum sind eine wichtige Grundlage, um die Qualität der Teilhabeleistungen in Werkstätten landesweit weiter zu entwickeln.

20. Dezember 2017 // News, Praxis und Konzepte, Politik