12Dez

Sprachkurs für Menschen mit Behinderung und Migrationshintergrund

Die Gemeinnützigen Werkstätten Oldenburg e.V führen seit Anfang August in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule (VHS) Oldenburg ein Sprachkursangebot für zugezogene beschäftigte Mitarbeiter mit Behinderung durch. Das Kursangebot mit Modellcharakter wird finanziell durch die Landessparkasse zu Oldenburg (LzO) und dem Oldenburgischen Generalfonds unterstützt.

Gelingende Kommunikation ist der Schlüssel für Inklusion und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen spiegeln sich auch in Einrichtungen der Behindertenhilfe wider. So wurden in den letzten zwei bis drei Jahren vermehrt Menschen mit Behinderung aus Syrien, Afghanistan, dem Irak oder anderen Ländern, aus denen seit 2015 ein vermehrter Zuzug nach Deutschland stattfindet, bei den Gemeinnützigen Werkstätten Oldenburg e.V. (GWO) beschäftigt.

Dieser Trend setzt sich fort und birgt neue Herausforderungen. Um einen realistischen Entwicklungsstand feststellen zu können, daraus Förderziele ableiten zu können und um Kontaktaufnahme und Beziehungsaufbau zu ermöglichen, ist das Erlernen der deutschen Sprache wesentlich.

Um dieser Herausforderung zu begegnen, wird seit Anfang August ein Sprachkurs für Menschen mit Behinderung angeboten, die einen Migrationshintergrund haben. Zwölf beschäftigte Mitarbeiter mit Behinderung werden dabei von zwei Dozentinnen der Volkshochschule Oldenburg an zwei Tagen in der Woche unterrichtet. Sowohl für die beiden sonderpädagogisch ausgebildeten Dozentinnen, die VHS als auch die GWO ist ein solcher Sprachkurs Neuland. Die Volkshochschule verfügt zwar über jahrelange Erfahrung in der Organisation von Kursen Deutsch als Fremdsprache (DaF), ein Kursangebot explizit für Menschen mit geistiger Behinderung gab es jedoch bislang nicht und hat somit einen Modellcharakter.

Von den 12 Personen, bei denen im Vorfeld ein Unterstützungsbedarf beim Erlernen der deutschen Sprache festgestellt wurde, sind sowohl die sprachlichen und kulturellen Hintergründe als auch die kognitiven Fähigkeiten sehr unterschiedlich. Einige sind erst vor kurzem z.B. aus Syrien und Afghanistan nach Deutschland zugewandert und können in ihrer Muttersprache lesen und schreiben. Andere sind mit der Migrationsbewegung Anfang der 1990er Jahre aus der ehemaligen Sowjetunion oder dem Balkan nach Deutschland gekommen und haben sowohl in ihrer Muttersprache als auch in der deutschen Sprache Schwierigkeiten, sich auszudrücken.

„Für unsere tägliche Arbeit ist eine gemeinsame Sprache ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg“, betont Gerhard Wessels (Vorstand der GWO) „Wir nutzen bereits seit Jahren Hilfsmittel wie Symbolsysteme oder die Leichte Sprache bei Kommunikations-Beeinträchtigungen. Der Sprachkurs fügt sich gut in unser Konzept ein und es freut uns, wie der Kurs einen weiteren Beitrag zur Integration leistet.“

Um eine lebensnahe Förderung zu gewährleisten, findet der Unterricht in den Räumlichkeiten der GWO statt. Es werden Materialien der „Unterstützten Kommunikation“ (UK), z.B. Piktogramme, Fotos, Symbole etc. verwendet, sowie altersentsprechende Materialien aus dem DaF-Fundus der VHS. Bezuschusst wurde der Kurs mit 2.000,- € durch die LzO sowie mit 600,- € durch den Oldenburgischen Generalfonds.

"Dies Pilotprojekt überzeugt durch seine Praxisnähe und hat für uns Vorzeigecharakter, wie gesellschaftliche Teilhabe fernab von jeglichen Barrieren gelingen kann. Gerne haben wir uns an diesem innovativen Sprachkonzept beteiligt", so Gabriele Mesch von der Landessparkasse zu Oldenburg.

„Wir freuen uns, dass die Gemeinnützigen Werkstätten mit den Sprachkursen einen wichtigen Beitrag zur beruflichen Teilhabe am Leben für die ausländischen Mitmenschen geben. Sehr gerne unterstützen wir das Projekt.“ sagt Dimitri Selensky vom Bezirksverband Oldenburg. Der Verband hat die Stiftungsverwaltung des Oldenburgischen Generalfonds inne.

Die Sozialarbeiter der GWO bemerken bereits jetzt nach nur wenigen Wochen, dass die regelmäßige intensive Auseinandersetzung mit der deutschen Sprache den Teilnehmenden nicht nur großen Spaß macht, sondern dass auch im Arbeitsalltag vereinzelt eine größere Bereitschaft zur Kommunikation besteht.

Ansprechpartner:
Daniel Lüllmann
Telefon: 0441 3405 165
Mobil: 0177 9591227
E-Mail: daniel.luellmann@wfbm-oldenburg.de 

12. Dezember 2018 // News, Praxis und Konzepte